Geschichte

Der Musikverein 1886 Grötzingen e.V. (MV) ist einer der ältesten Vereine in Grötzingen. Die Geschichte des Vereins umfasst inzwischen weit über 125 Jahre mit vielen interessanten Ereignissen und Entwicklungen.

Schon im Jahre 1882, also vier Jahre vor der eigentlichen Gründung, fanden sich in Grötzingen Männer zusammen und gründeten eine Musikkapelle. Der 1. Juni 1886 war der Gründungstag des MV. Einmal im Monat wurde eine "Monatsversammlung" abgehalten. Zunächst war man bestrebt, den Klangkörper zu erweitern und beschloss deshalb, verschiedene neue Instrumente anzuschaffen.

Da man sich der Öffentlichkeit entsprechend präsentieren wollte, wurde am 11. Februar 1898 bestimmt, dass ein Banner als unübersehbares Symbol gefertigt werden sollte. Die Bannerweihe am 3. Juni 1898 ging sehr feierlich vonstatten. Der Wahlspruch der Weihe lautete: "Ernst ist das Leben, heiter die Kunst!" Die beiden Grötzinger Gesangvereine "Eintracht" und "Liederkranz" gaben der Zeremonie den musikalischen Rahmen.

Auch die Mitglieder des MV waren betroffen vom 1. Weltkrieg 1914. Fünf Tote waren zu betrauern. Die Vereinsgeschäfte ruhten bis ins Jahr 1919.

Am 16. März 1919 lud man dann nach ca. fünf Jahren "Zwangspause" zur ordentlichen Mitgliederversammlung ins Gasthaus "Kanne" und das Vereinsleben konnte wieder aufgenommen werden. War auch durch die Folgen der Kämpfe das Vereinsleben noch nicht so, wie es sein sollte, erreichte man doch innerhalb weniger Jahre wieder einen erfreulichen Aufschwung. Bei der Generalversammlung 1922 begehrten 33 neue Mitglieder die Aufnahme in den Verein, die Mitgliederzahl stieg auf 183 an. Der Zulauf hielt das ganze Jahr über an, zum Jahresende war man mit 287 Mitgliedern wohl der größte Verein in Grötzingen.

Im Jahre 1927 fand das Gründungsfest des "Pfinz-Kraichgauverbands" in Königsbach statt, dem der MV beitrat. Aufgrund der politischen Situation, die von hoher Arbeitslosigkeit gezeichnet war, schrumpfte der Verein beträchtlich. 1932 verzeichnete das Mitgliedsregister noch eine Anzahl von 91. Die Menschen hatten andere Sorgen, das Interesse an Vereinen und vor allem das Geld für den Beitrag war nicht mehr vorhanden.

Nach Hitlers Machtübernahme erging es dem MV wie vielen anderen Vereinen in dieser Zeit: Er wurde verboten und sein Bar- und Sachvermögen beschlagnahmt. Erst am 13. Dezember 1947 wurde das Vereinsleben wieder aufgenommen. Die Neugründungsversammlung fand im Gasthaus "Adler" statt, 20 Neugründungsmitglieder wurden im Protokoll erwähnt. Man erhielt 32 der beschlagnahmten Musikinstrumente zurück.

1949 schloss sich der MV gemeinsam mit den Gesangvereinen "Liederkranz" und dem 1. Mandolinenverein von 1923 zur Kulturgemeinschaft Musik und Gesang zusammen. Ziel dieser Gemeinschaft war es, gemeinsam die kriegsbedingte geistige Verarmung zu überwinden und das musische Leben zu fördern.

Die Fünfziger Jahre waren hart für den Verein. Die Erwachsenenkapelle sowie die Jugendkapelle mussten neu aufgebaut werden, viel Geld musste in die Anschaffung von Instrumenten investiert werden.

Anfang der Sechziger wurde eine Frauengruppe gegründet, die ihre Hauptaufgabe zunächst darin sah, das 75. Stiftungsfest auszurichten.

1966 wurde erstmals das allseits beliebte "Wiesenfest" bei den Bauernhöfen Im Brühl gefeiert.

Seit der Eingemeindung 1974 gibt der MV jedes Jahr, im Wechsel mit anderen Karlsruher Vereinen, Konzerte auf der Seebühne im Karlsruher Stadtgarten.

Was die Mitgliederversammlung 1926 ablehnte, wurde am 10. März 1978 in die Realität umgesetzt: Die Eintragung in das Vereinsregister. Der Name "Musikverein 1886 Grötzingen e.V." ist nun offiziell.

Der derzeitige 1. Vorstand Veit Bader ist seit 1991 im Amt. Die Mitgliederzahl beläuft sich heute mit der Jugend auf über 200. Davon sind etwas mehr als die Hälfte passive bzw. fördernde Mitglieder. Einen weiteren Großteil bildet die Jugend, auf deren Ausbildung der MV besonders großen Wert legt. Der MV bietet die Möglichkeit an, alle Blas- und Schlaginstrumente zu erlernen. Dies findet im Einzelunterricht mit fachlich kompetenten Ausbildern, größtenteils Absolventen der Hochschule für Musik Karlsruhe, statt. Großen Wert legt der MV auf eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinschaftsschule Grötzingen.

Neben festen Terminen wie dem Frühjahrskonzert, der Kulturmeile, der Gedenkstunde zum Volkstrauertag, dem Familienabend oder dem Weihnachtsliederspielen an Heiligabend im AWO-Seniorenzentrum und auf dem Friedhof, hat der MV übers Jahr verteilt auch noch diverse Auftritte bei befreundeten Vereinen u.ä. zu absolvieren. Besonderen Wert legt der MV auf Präsenz beim www.groetzingen.de Grötzinger Ortsgeschehen.

Natürlich kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Helferausflug, Disco für die Jugend, etc. sind gern genutzte Aktivitäten, bei denen sich jung und alt, aktiv und passiv näherkommen.

Unter der Leitung seiner Dirigentin Maelle Nicaise, ebenfalls einer Absolventin der Hochschule für Musik Karlsruhe, spielt der MV sowohl klassische, sehr anspruchsvolle Stücke, als auch leichte, volkstümliche Unterhaltungsmusik. Musicals und Schlager sind ebenfalls feste Bestandteile seines Repertoires.